IPZF Kindertagesbetreuung


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Wenn Sie Ihr Kind in Tagesbetreuung geben, ändert sich Ihr Familienleben. Nun müssen Sie an fünf Tagen in der Woche Ihr Kind zu bestimmten Zeiten fortbringen und wieder abholen, gewinnen Sie somit Zeit, um wieder Ihrer Erwerbstätigkeit nachzugehen, auf eine Vollzeitstelle zu wechseln oder sich intensiver einem jüngeren Geschwisterkind zu widmen.

Ihr Kind entwickelt nun intensive Beziehungen zu anderen Erwachsenen, mit denen es nicht verwandt ist. Zugleich schrumpft die Zeit, die Sie mit ihm verbringen, um zwischen 20 und über 40 Stunden pro Woche – je nachdem, wie lange Sie es betreuen lassen. Auf dieser Seite erfahren Sie, was die neuen Beziehungen für Sie und Ihr Kind bedeuten und wie Sie nun die mit Ihrem Kind verbleibende Zeit bestmöglich für dessen Erziehung und Bildung nutzen können.

Neue Beziehungen und Bindungen

Babys und andere unter dreijährige Kinder haben ein besonders starkes "Bindungsbedürfnis", da sie zum Überleben auf die kontinuierliche Betreuung durch Erwachsene angewiesen sind. Dementsprechend werden sie eine intensive Beziehung zur Tagespflegeperson bzw. zu einer Fachkraft eingehen, die dann als "Bezugserzieherin" bezeichnet wird. Weniger stark ausgeprägte Beziehungen werden zu den anderen Pädagog/innen in seiner Gruppe entstehen. Diese "Bindungen" werden in der Regel umso intensiver werden, je länger die tägliche Betreuungszeit ist – bei einer 40-stündigen Betreuung verbringt ja ein Einjähriges mehr Stunden, in denen es wach ist, in der Tageseinrichtung bzw. Tagespflegestelle als in der Familie.

Schon wenige Wochen nach der Eingewöhnungszeit wird ein unter dreijähriges Kind seine Betreuungsperson von ganzem Herzen lieben. Es wird den Körperkontakt zu ihr suchen, wird sich bei ihr anschmusen, wird mit ihr kuscheln und sie küssen. Einige Monate später wird es sie anstrahlen, wenn es morgens gebracht wird, wird sich vom Arm der Eltern aus ihr entgegenstrecken oder wird zu ihr hin krabbeln bzw. laufen, um auf den Arm genommen zu werden. Dann ist die Kindertageseinrichtung zu einem "zweiten Zuhause" bzw. die Familie der Tagespflegeperson zur "Zweitfamilie" des Kindes geworden. Insbesondere wenn die Betreuungszeit sehr lang ist, wird es sich oft sogar bei der Tagesmutter oder Bezugserzieherin anklammern und weinen, wenn es von seinen Eltern abgeholt wird.

Auch Dreijährige entwickeln bindungsähnliche Beziehungen zu ihren Betreuungspersonen, die aber weniger intensiv sind und bis zur Einschulung immer schwächer werden. Sie lieben die in den Augen der Eltern "fremden" Erwachsenen und betrachten sie als Autoritätspersonen: "Frau M. hat aber gesagt!" – "Bei uns im Kindergarten machen wir dies aber so!" Wegen diesen engen Beziehungen zwischen Fachkraft und Kind wird übrigens auf dieser Website nirgends von "Fremdbetreuung" gesprochen: Nur während der Eingewöhnungszeit sind Erzieher/innen und Tagesmütter fremde Menschen – danach sind sie vertraute und geliebte Bezugspersonen.

Für viele Eltern ist es schwer zu verkraften, dass ihr Kind nun neben ihnen weitere "Liebesobjekte" und "Autoritäten" hat – zu Personen, mit denen es nicht verwandt ist. Einem Dreijährigen – und erst recht einem noch jüngeren Kind – ist es auch nicht wie seinen Eltern bewusst, dass es sich um eine "Beziehung auf Zeit" handelt. So ist es für Babys, für Ein- und Zweijährige, aber auch für manches ältere Kind, eine emotionale Katastrophe, wenn es zu einem plötzlichen Beziehungsabbruch kommt, also wenn z.B. die Eltern umziehen und damit auch die Tageseinrichtung oder -pflegestelle wechseln, wenn die Bezugserzieherin bzw. Tagesmutter kündigt oder wegen Krankheit bzw. Schwangerschaft für viele Monate ausfällt. Solche Traumata können die emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes stark beeinträchtigen. Es benötigt also bei einem plötzlichen Beziehungsabbruch besonders viel Zuwendung seitens seiner Eltern, insbesondere wenn zusätzliche Veränderungen hinzukommen (z.B. Umzug in eine noch nicht vertraute Wohnung, Veränderungen in der Familienstruktur oder hinsichtlich der Dauer der elterlichen Erwerbstätigkeit). Das bedeutet übrigens auch, dass genauso wichtig wie die Eingewöhnung eines Kindes die "Ausgewöhnung" ist, wenn beispielsweise der Übergang von einer Tagespflegestelle in eine Kindertagesstätte oder vom Kindergarten in die Schule ansteht.

Für die kindliche Entwicklung ist es sehr wichtig, dass die Eltern die bindungsähnlichen Beziehungen ihres Kindes zur Bezugserzieherin bzw. Tagespflegeperson positiv sehen oder zumindest akzeptieren. Sie sollten sich also eventuell bestehender Neid- und Eifersuchtsgefühle bewusst werden und versuchen, diese abzubauen. Keinesfalls darf es zu einem Konkurrenzverhalten in dem Sinne "Wer ist die bessere Mutter?" kommen – oder zum Erzeugen von Loyalitätskonflikten beim Kind durch Fragen wie "Wen liebst du denn mehr?" oder Aussagen wie "Deine Erzieherin ist aber eine dumme Pute!".

Eltern sollten sich bewusst machen, dass nach den Erkenntnissen von Hirnforschung und Entwicklungspsychologie Kinder viel intensiver ihrer Umgebung erkunden, offener auf andere Kinder zugehen, mehr lernen und sich besser entwickeln, wenn sie "sicher gebunden" sind. In der Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege fühlen sich Kinder aber nur geborgen, wenn bindungsähnliche Beziehungen zu ihren Betreuungspersonen bestehen, wenn diese also ihr "sicherer Hafen" sind. Auch profitieren sie dann mehr von Bildungsangeboten, lernen sie mehr am Vorbild der Fachkraft bzw. Tagesmutter.

Die Notwendigkeit von "Qualitätszeit"

Je weniger Zeit mit dem Kind den Eltern bleibt – nach Berücksichtigung der Dauer der eigenen Erwerbstätigkeit, der Hausarbeit, der eigenen Regeneration –, umso wichtiger wird es, diese bewusst zu nutzen. Für den Erhalt und die Intensivierung der Eltern-Kind-Bindung ist nämlich weniger die Quantität der miteinander verbrachten Zeit entscheidend, sondern vielmehr deren Qualität. Haben Eltern zwei Stunden lang neben ihrem Kind vor dem Fernseher gesessen oder haben sie die Wäsche gebügelt, während das Kind in einer anderen Ecke des Raumes für sich gespielt hat, so hat diese Zeit eine andere Qualität als wenn die Eltern eine viertel Stunde lang mit dem Kind gespielt oder ihm eine Gutenachtgeschichte erzählt haben.

Eltern sollten also möglichst an jedem Werktag nach der Tagesbetreuung und auf jeden Fall am Wochenende "Qualitätszeit" mit ihrem Kind einplanen. Wie bereits erwähnt, zeigen Kleinkinder, die in einer relativ großen Gruppe betreut werden, nach dem Abholen auch ein großes Zuwendungsdefizit, das sich oft in der Form des "Quengelns" zeigt. Anstatt mit dem Kind deswegen zu schimpfen, ist es sinnvoller, sich z.B. mit ihm für eine viertel Stunde in das Kinderzimmer oder auf das Wohnzimmersofa zurückzuziehen, um aneinander gekuschelt ein Bilderbuch zu betrachten oder ein Gespräch zu führen – Kleinkinder wollen oft ja ganze Fragekataloge "abarbeiten"...

Die Bedeutung der familialen Erziehung und Bildung

Selbst wenn Kindertageseinrichtungen und Tagespflegestellen neben Betreuung auch Erziehung und Bildung leisten, selbst wenn dort Bildungspläne und pädagogische Konzeptionen umgesetzt werden und selbst wenn dort Kinder viele Gelegenheiten zur Selbstbildung und zum ko-konstruktiven Lernen mit anderen Personen vorfinden, haben nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft Familien einen etwa doppelt so großen Einfluss auf die Entwicklung und die späteren Schulleistungen eines Kindes als ein Kindergarten. Selbst wenn ein Kind pro Woche für 30 oder mehr Stunden von Fachkräften gefördert wird, sind Erziehungs- und Bildungsprozesse in der Familie weiterhin von großer Bedeutung. Das liegt u.a. daran, dass der pädagogische Einfluss von Erzieher/innen und die Chancen einer individuellen Förderung bei 15, 20 oder gar 25 Kindern sehr viel begrenzter sind als Möglichkeiten von Eltern. Hinzu kommt, dass diese am längsten die kindliche Entwicklung beeinflussen.

Eltern sollten sich bewusst machen, dass Erziehungs- und Bildungsprozesse in der Familie nur selten gezielt und von ihnen gesteuert erfolgen. Entscheidend ist vielmehr der Familienalltag:

  • Wie kommunizieren die Eltern? Was für eine Sprache verwenden sie dabei? Eher kurze Sätze mit einem begrenzten Wortschatz oder komplexe Sätze mit vielen Adverbien und Adjektiven? Über welche Themen sprechen sie miteinander? Werden Konflikte ausdiskutiert?
  • Sind die Eltern "Lernvorbilder"? Bilden sie sich weiter? Beschäftigen sie sich auch mit wissenschaftlichen Themen, mit Politik, Kunst und Kultur? Gehen sie in Museen, in Konzerte und ins Theater? Pflegen sie Hobbys? Kennen sie sich mit der Natur aus?
  • Gibt es in der Wohnung viele Bücher und Zeitschriften, CDs und einen Computer? Wie wird dieser genutzt?
  • Erlebt das Kind eine familiale Lernkultur mit vielen kognitiven Anregungen durch die Eltern? Geben sie ihm Ideen für sinnvolle Aktivitäten? Stellen sie Lernspiele und -materialien bereit? Leihen sie zusammen mit dem Kind Bilderbücher in der Bibliothek aus?
  • Werden die kindlichen Bedürfnisse nach Geborgenheit, Wertschätzung und Liebe befriedigt, sodass das Kind sich sicher gebunden der Welt zuwenden und diese erkunden kann?
  • Vermitteln die Eltern eine positive Einstellung zu Lernen und Leistung, zu Kindertageseinrichtung und Schule? Halten sie einen engen Kontakt zu Fachkräften bzw. Tagespflegepersonen, damit sie wissen, wie sie außerfamiliale Bildungs- und Erziehungsbemühungen zu Hause unterstützen können?
  • usw.

In einer Familie, in der die Eltern viele solcher und ähnlicher Fragen mit einem "ja" beantworten können, werden sich Kinder sozial, emotional, personal und kognitiv positiv entwickeln – auch ohne gezielte "Bildungsmaßnahmen" wie den Einsatz von Lernspielen, die Verwendung von Lernprogrammen, den Besuch einer Musikschule oder die Mitgliedschaft in einem Sportverein.

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Zudem können Eltern bewusst im Familienalltag liegende Lernmöglichkeiten nutzen, die mit keinen Kosten verbunden sie – Eltern müssten dafür nur ein wenig Zeit und Energie aufwenden. In der folgenden Liste werden einige mögliche Aktivitäten nach Entwicklungs- bzw. Bildungsbereichen geordnet:

  • motorische Entwicklung: Brotschmieren, Kochen und Backen, Abwaschen und Abtrocknen, sich selbst Anziehen, Hausputz und Gartenarbeit, Dinge zerlegen und wieder zusammenbauen, Wege mit spielerischen Elementen verbinden (nicht auf die Fugen zwischen den Platten treten, auf Mauern balancieren), "Abenteuer" im Wald usw.
  • mathematische Kompetenzen: Bauklötze nach Größe und Farbe sortieren, Entfernungen schätzen, beim Treppensteigen Stufen zählen, kleine Summen im Geschäft bezahlen lassen, Wählen von Telefonnummern, Würfelspiele, Tisch decken etc.
  • sprachliche Entwicklung: viel mit dem Kind reden (Sprache lernt man nur über das Sprechen!), ihm aber auch zuhören, offene Fragen stellen, darauf achten, dass ein älteres Kleinkind Gegenstände und Aktivitäten mit dem richtigen Wort bezeichnet und in vollständigen Sätzen spricht, Fernsehkonsum beschränken, dialogorientierte Bilderbuchbetrachtung, mit Kind Schrift entdecken, Wörter mit denselben Anfangsbuchstaben suchen lassen, Zungenbrecher, Gedichte und Lieder beibringen usw.
  • musische/künstlerische Kompetenzen: gemeinsam singen, summen, Rhythmen klatschen, Malen, Basteln, Tonen, Anregungen sammeln durch Besuche von Museen und Ateliers etc.
  • Wissen/Gedächtnis: Neugier und Lernmotivation fördern, geduldig die Fragen des Kindes beantworten, Dinge genau erklären, "Lernorte" (Wald, Bauernhof, Museum usw.) aufsuchen, Sammlungen anlegen, Fernsehen und Internet bewusst als Informationsquelle nutzen, systematisches Lösen von Problemen üben, Auswendiglernen von Liedern und Reimen, Merken der eigenen Adresse und von wichtigen Telefonnummern, Memory spielen, Puzzles, Ratespiele usw.
  • soziale Entwicklung: selbst soziale Kontakte pflegen, häufig Kinder einladen, eigenes Vorbild (anderen Menschen gegenüber höflich, freundlich, taktvoll, hilfsbereit und tolerant sein), Teamfähigkeit entwickeln durch Aufgabenteilung im Haushalt, Rollenspiele fördern, Kind anhalten, sich in eine andere Person zu versetzen, Regelspiele etc.
  • Persönlichkeitsentwicklung: eigene Erfahrungen und Erfolge ermöglichen (Kind entwickelt die Erwartungshaltung "Hoffnung auf Erfolg" anstatt "Angst vor Misserfolg"), Aufgaben (und damit Verantwortung) übertragen, dem Kind viel zutrauen, ihm seine Stärken bewusst machen, Kind wann immer gerechtfertigt loben, seine Ansichten respektieren, Kind zu Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordnungsliebe, Fleiß und Ehrlichkeit anhalten, gutes Benehmen einfordern usw.

Im Elternbrief "365 Aktivitäten zur Förderung der Entwicklung Ihres Kleinkindes" finden Eltern für jeden Tag des Jahres ein Förderangebot für drei- bis fünfjährige Kinder, das oft nur wenige Minuten beansprucht.

Bei aller bewusster oder unbewusster Förderung sollte aber immer bedacht werden, dass die Familie für Kleinkinder ein Platz sein muss, wo sie sich sicher und geborgen fühlen können. Das Kind sollte hier viel Liebe, Zärtlichkeit und Zuneigung erfahren. Es muss das Gefühl haben, dass es trotz seiner Schwächen, seiner Launenhaftigkeit, seines Trotzens oder seiner Wutanfälle als Person akzeptiert wird.

Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, dass die Betreuung, Erziehung und Bildung eines Kindes die Aufgabe von Vater und Mutter ist. Deshalb wird auf dieser Website auch immer von "Eltern" gesprochen. Das Kind kann von Vater und Mutter Unterschiedliches lernen – und es braucht für die eigene Geschlechtsrollenentwicklung das männliche und das weibliche Modell. Heute werden Kinder in Familie, Tageseinrichtung, Tagespflege und Grundschule in erster Linie von Frauen betreut. Inzwischen weiß man, dass diese Situation für Jungen nicht ganz unproblematisch ist. So sollten zumindest ihre Väter versuchen, mehrmals in der Woche "Qualitätszeit" mit ihren Kindern zu verbringen und dabei mit ihren Söhnen besonders viele "männerspezifische" Aktivitäten durchzuführen. Allein erziehende oder getrenntlebende Mütter sollten hier die Väter der Kinder in die Pflicht nehmen oder andere Männer (Großväter, Onkel, Lebenspartner) in die Erziehung einzubinden versuchen.